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Wirksam sein, oder: Was bedeutet Expertise?

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Für Herz und Haltung

Wirksam sein, oder: Was bedeutet Expertise?

Ich habe lange nach meinem Thema gesucht — und ich meine das nicht als hübsch klingende Einleitung, eher mit viel Antrieb und noch mehr Fragezeichen: ich habe gesucht, verglichen, ausprobiert, mich verheddert.

Irgendwann war da dieses Knäul aus spannenden Ideen, Kontakten, Projekten — alles spannend, vieles inspirierend, nichts wirklich klar.

Und ich mittendrin, mit dem leisen Verdacht, dass ich vielleicht einfach zu unspezifisch bin für eine Welt, die ständig nach der einen klaren Expertise fragt. Die eine Nische. Das eine Thema, das auf eine Visitenkarte passt und in drei Sekunden erklärt werden kann.

Ich habe es nicht gefunden. Nicht weil ich nicht gesucht habe, sondern weil dran vorbei geschaut habe.


Das bunte Knäul

Wenn ich auf die letzten Jahre schaue, sehe ich kein rotes Faden-Thema. Ich sehe Demokratiebildung, vielfältiges Zusammenleben, Schutzkultur und Prävention. Ich sehe Ehrenamtsstrukturen, die brennen und gleichzeitig erschöpfen. Ich sehe Gespräche mit Menschen auf der Straße, die eigentlich nur einen Ort brauchen, mal wieder ein echtes Gespräch zu führen. Ich sehe Kirchengemeinden, die Veränderung wollen und sie gleichzeitig fürchten. Ich sehe Führungskräfte in sozialen Organisationen, die zwischen Anspruch und Alltag zerrieben werden und trotzdem weitermachen, weil sie es nicht anders kennen.

Das klingt nach einem ziemlichen Knoten. Und eine Weile fühlte es sich auch so an — als etwas, das ich entwirren müsste, bevor ich wirklich anfangen kann.

“Jetzt entscheide dich einfach mal.”


Die leise Erkenntnis

Dann wurde mir klar, dass ich nichts mühsam entwirren muss. Ich möchte verstehen, was die Fäden zusammenhält. Und da fand ich eine Verbindung:

Meine Expertise liegt nicht im WAS. Sie liegt im WIE.

Das klingt erstmal unbefriedigend oder nach einer Ausrede, um mich dann doch nicht entscheiden zu müssen. Keine Nische, kein Thema, nur ein vages “ich begleite Prozesse”. Aber in meiner Arbeit, meinen Ideen, meinen Begegnungen der letzten Jahre findet sich genau das.

Menschen und Strukturen in Bewegung bringen. Aus einem Knäul widersprüchlicher Erwartungen, unausgesprochener Spannungen und gutem Willen etwas machen, das sich anfühlt wie: “Ach so, ja, so gehts!”. Räume öffnen, in denen echte Gespräche möglich werden, nicht nur die höflichen Smalltalk-Floskeln, sondern die notwendigen Karten auf den Tisch kommen. Prozesse gestalten, die tragen statt erschöpfen.

Das ist es, was mich antreibt. Egal ob es um Widerstände in der Schutzkultur geht, um Haltungsarbeit in sozialpädagogischen Teams, oder um Beteiligung und Demokratiebildung im Ehrenamt. Das Thema wechselt. Die Haltung und Herangehensweise bleiben.


Kennst du solche Knoten?

Ich erzähle das, weil ich von vielen Leuten in meiner Arbeit höre, wie euphorisch begonnene Prozesse langsam versanden oder sie großen Widerständen gegenüberstehen. Als Mensch in einer Organisation, in einer Rolle, in einem System, der ständig nach Klarheit, Spezialisierung und der eindeutigen Zuständigkeiten gefragt wird. Dabei ist die Wirklichkeit meist viel komplizierter und die Lösung nur gemeinsam und mit kreativen Ideen zu erreichen. Hier braucht’s ein tragfähiges WIE für ein zu lösendes WAS. Du bemerkst, dass Leichtigkeit oder Anstrengung sich im Zwischenraum entscheiden — zwischen Anspruch und Alltag, zwischen Idee und Umsetzung, zwischen dem, was eine Organisation sein will, und dem, was sie gerade lebt.

Genau da arbeite ich: Nicht mit Lösungen, sondern mitten im Prozess, nah an Menschen und nah an Strukturen.


Neue Muster weben

Für mich bedeutet diese Erkenntnis neue Bewegung. Einiges wird sich in den nächsten Monaten in meiner Arbeit, in meinen Angeboten, in der Art wie ich sichtbar bin, verändern.

Nicht als große Neuerfindung. Eher als Fingerübung, neue Muster aus den bunten Fäden zu weben. Wenn dich das anspricht: Bleib dran.