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Ich bin früher gegangen, oder: Wie Begegnungen nicht nur zufällig passieren

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Ich bin früher gegangen, oder: Wie Begegnungen nicht nur zufällig passieren

Ich hatte mich schon eine Weile auf die Abendveranstaltung gefreut und war etwas aufgeregt, wen ich wohl alles kennenlernen könnte. Netzwerken, interessante Gespräche führen und ein gutes Essen waren mein Plan. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass eigentlich nur das gute Essen passieren würde. Am Eingang wurde ich nett begrüßt und drinnen waren so viele Leute, wobei die meisten schon saßen. Ich stellte mich also in die Essensschlange, um vielleicht noch jemanden zu erwischen. Einen einzelnen Platz konnte ich ergattern, aber so richtig ins Gespräch kam ich mit niemandem. Die Menschen um mich herum kannten sich schon und erzählten sich ihre Neuigkeiten. Sie schlossen mich nicht aktiv aus, aber es gab auch keine neuen Anknüpfungspunkte. An diesem Abend habe ich nett gegessen, hier und da über das Essen geplaudert und bin sehr früh wieder gegangen.


Jenseits des Smalltalk

Man kennt das: Kurz einen Einstieg suchen übers Wetter oder das Essen, kein echtes Thema finden und den Smalltalk dann etwas peinlich berührt beenden, noch ein Getränk holen, aufs Handy schauen, noch ein Getränk holen und irgendwann früher gehen. Das hat nicht nur mit eigenen Vorlieben und Fähigkeiten zu tun, sondern auch mit der Aufbereitung einer Veranstaltung. In diesem Beispiel fehlt Struktur zum Kennenlernen, denn Begegnungen passieren hier entweder aufgrund von Bekanntheit, Zufall oder großer Überwindung.

Begegnung passiert nicht einfach, weil viele Menschen im selben Raum sind. Es hilft sehr einen kleinen methodischen Rahmen zu schaffen, der Begegnungen nicht nur dem Zufall überlässt.

Dieses Muster kenne ich aus vielen Planungen oder Reflexionen. Man geht davon aus, dass Menschen sich schon irgendwie zusammenfinden und Austausch von alleine entsteht (Spoiler: Passiert nicht immer.). Netzwerk ist netzwerken und das liegt manchen eben besser als anderen. Wer zum ersten Mal kommt, sich vielleicht auch nicht überall dazusetzen will oder auch weil der Raum es schlicht nicht hergibt — bleibt draußen.

Das lässt sich aber mitdenken, denn kleine Methoden im Tagungsdesign bewirken hier Gesprächsanlässe, die die Atmosphäre deiner Veranstaltung prägen können. Es braucht nichtmal unbedingt Kennenlernspielchen, die alle peinlich finden (die aber trotzdem immer lustig sind, Verbindung schaffen und Erinnerungswert haben!). Was es braucht, sind kleine, durchdachte Momente, die Begegnung wahrscheinlicher machen. Nicht nur Newcomer müssen sich dann aktiv einbringen, sondern alle sind eingeladen, nochmal neu einzusteigen.


Kleine Momente mit großer Begegnungs-Wirkung

Strukturiere das Ankommen schon bevor das Programm startet. Ein kurzes Format zu Beginn reicht hier aus, manchmal auch schon in der Phase des Ankommens, noch vor der Begrüßung. Das kann eine Frage oder ein Auftrag sein, vielleicht ein Austausch zu zweit. Wer noch niemanden kennt, ist in diesem Moment genauso gefragt, wie alle anderen. Du kannst auch Fragen unterbringen, die das Tagesthema streifen. Dieses Zeitfenster kann für manche der Gamechanger für den ganzen Tag sein.

Nutze die Sitzordnung als Einladung. Wenn Menschen sich selbst setzen, setzen sie sich meist zu denen, die sie kennen. Eine durchmischte Sitzordnung nach Regionen, nach Funktionen oder nach dem Zufallsprinzip kann eine Einladung zum Kennenlernen sein. Auf diese Weise können erste Gemeinsamkeiten gefunden werden.

Begrüße alle herzlich, besonders neue Menschen. Eine aktive Begrüßung ist ein Signal an alle: Wer heute zum ersten Mal hier ist, ist willkommen und wir alle sind verantwortlich für ein gutes Ankommen. Ein kurzer Moment im Programm, eine Ansprechperson und ein ehrliches Willkommen verändert die Perspektive der Gruppe.


“Ach-hätte-ich-doch-mal”-Momente

Ich habe das auf dieser Veranstaltung nicht zum ersten Mal gedacht, aber ich habe es wieder gespürt und stand da mit meinem Getränk in der Hand, auf der Suche nach einem Einstieg. Im Nachhinein habe ich mich gefragt, wie viele Menschen diese Veranstaltung noch verlassen haben mit dem Gefühl: “Wieder hab ich’s nicht geschafft, hätte ich doch mal diese eine schlaue Frage gestellt. Das ist einfach nichts für mich.”

Aber vielleicht, ziemlich sicher sogar, hätte es Anknüpfungspunkte geben, die waren nur nicht offensichtlich. Wer Veranstaltungen organisiert und Räume gestaltet - ob es nun das nächste Meeting, die Jahresversammlung des Vereins oder eine wichtige Tagung ist: Es lohnt sich, kurz innezuhalten und zu überlegen, für wen dieser Raum eigentlich gemacht ist und was passieren soll. Was bräuchte es dann, damit mehr Begegnung passiert?