Mut zur Einbildung!

Was bildest du dir eigentlich ein?

Klar habe ich Ja gesagt! Zwei Monate vor einem Kongress war das eigentliche Planungsteam kurzfristig nicht mehr verfügbar, aber die Großveranstaltung schon angekündigt. Ich bekam einen Anruf von einer Bekannten aus meinem Netzwerk und was soll ich sagen: Es war so eine Anfrage, bei der es mich sofort in den Fingern kribbelte. Klar habe ich Ja gesagt und das wusste ich, wenn ich ehrlich bin, auch schon nach den ersten 5 Minuten im Telefonat. Danach habe ich nur noch über Rahmenbedingungen nachgedacht. Die Verantwortung lag vor mir, jemand hat gefragt, ob ich einspringen kann und ich war drin, bevor ich alle Feinheiten durchdacht hatte. Das Thema, das Netzwerk, das bunte Tummeln auf so einer Veranstaltung und dann auch noch selbst Begegnungsmomente gestalten, diese Mischung zieht mich an.

Ich bin Fan von diesen Feinheiten, die man nicht gleich bemerkt, die aber das Bild schließlich abrunden und die Stimmung beeinflussen.


Der Kongress kommt ins Rollen

Also startete ich mitten rein. Mit einem kleinen Kernteam ging es an den Überblick, Briefing für alle Beteiligten, Werbung, Orgaplanungen und und und. Was mich in den nächsten zwei Monaten immer mal wieder eingeholt hat, war nicht die Arbeit, sondern mein eigener Anspruch. Anfangs haben wir aus Zeitgründen einige Rahmenbedingungen in der Organisation und im Programm nicht hinterfragt und einfach mit dem gearbeitet was da ist. Gegen Ende hätten wir hier gerne doch noch das ein oder andere verändert, aber dafür war keine Zeit mehr. Ich habe oft von Anfang an ein Bild im Kopf, ein klares Gefühl zur Stimmung im Raum und daraus ergeben sich nach und nach die Methoden und Situationen, die das tragen. Das hat auch diesmal geklappt, mit dem klaren Motto “Done is better than perfect”.


Jetzt läufts!

Der Kongress lief und in der Woche vorher flatterten nochmal einige Anmeldungen in Haus. Menschen kamen, es gab Kaffee, gute Gespräche und diese Momente, wo sich zeigt: Das ist es Wert, das ist echt. Hier wachsen Mut, Ideen und Projekte.

Was vorher Durcheinander war, war plötzlich vom Tisch. Solche Veranstaltungen können einen lange begleiten, sogar noch länger, wenn sie nicht isoliert stehen. Bildungsarbeit im sozialen Bereich braucht Veranstaltungen, wie den Kongress, als Moment in einem Prozess. Dazu braucht es Menschen, die sich verantwortlich fühlen und sehen “Da geht noch was.” Das passiert täglich in Koordinationsstellen, in Freiwilligenarbeit, in mittleren Führungsebenen, die nach oben funktionieren und nach unten halten. Der Kongress lies am Ende auch Platz genau für diese Gespräche: Selbstversicherung und Ermutigung für Menschen, die bleiben und weiter in Organisationen arbeiten, die unter Druck stehen.


Was bildest du dir eigentlich ein?

Erst war es ein internes Wortspiel zur Bildungsarbeit, dann ein Satz, der mich nicht loslässt. Mir gefallen die verschiedenen Ebenen darin.

Erstens: Die subtile Arroganz, die mitschwingt, wenn jemand eingebildet ist – eine Fähigkeit die wir im Sozial- und Bildungsbereich oft nicht gut beherrschen. Nach innen gibt es schöne Treffen, Berichte oder Dankesfeste, weil richtig viel läuft. Nur fehlt es nach Außen oft an der “Einbildung”, das auch laut und sichtbar in die Welt zu tragen und über die Konsequenzen zu sprechen, wenn diese Arbeit nicht passiert. Wer leidet dann?

Zweitens: Was stellst du dir vor? Was ist dein Anspruch, dein Bild davon, was möglich wäre, in deiner Organisation, in deiner Rolle, in deiner Arbeit mit Menschen? Was ist deine kleine große Utopie?

Und drittens, leiser: Bildest du dir das vielleicht nur ein? Dass es zählt und du wirklich was verändern kannst? Dass die Strukturen, in denen du arbeitest, deinen Einsatz irgendwann zurückspiegeln und es Früchte trägt?

Das ist der Zwischenraum, in dem viele arbeiten. Zwischen dem Anspruch – Bildung als Haltung, als Begegnung und echte Veränderung – und der Wirklichkeit aus Spardruck, Personalmangel und Anfragen, die zwei Monate vor Veranstaltungsbeginn kommen.


Mut zur Einbildung!

Ich feiere uns, dass der Kongress durchlief und viele Menschen danach meinten, wie gut sie sich aufgehoben gefühlt haben, wie passend die Räume geöffnet wurden. Ich weiß, dass es das wert war, auch wenn es nicht alle Probleme löst. Der Bereich lebt von stetiger Arbeit und es gibt immer Arbeitsspitzen, wichtig ist es kontinuierlich dranzubleiben.

Ich habe aufgehört, so zu tun, als wäre das selbstverständlich. Was ich immer wieder lerne und meinen Kundinnen in der Planung mitgebe ist die Frage:

Wo auf der Veranstaltung wirst du sichtbar? Diese kleine Frage entscheidet über den Mut zur Einbildung für dich und deine Sichtbarkeit und für deine Ziele.

Nicht um anderen den Raum wegzunehmen, sondern um dich und deinen Anteil sichtbar zu machen und teil der Wahrnehmung zu sein, um dich abzusichern. Und die zweite Frage: Wie, wann und mit wem feierst du deine Erfolge? Das muss nicht lang sein, aber hilft den Anlauf für das nächste Projekt zu nehmen.