Haltung hat keinen Feierabend, oder: Führung unter Ressourcendruck
Zwischen zwei Terminen fängt dich deine Kollegin kurz auf dem Flur ab. Du siehst ihr schon an, dass es der Tag ganz schön in sich hatte. Eigentlich musst du schnell weiter, aber deine Mitarbeiterinnen sind dir wichtig. Sie spricht schnell, weil sie weiß, dass ihr nur diesen Moment im Vorbeigehen habt. Also bleibst du kurz stehen, balancierst die Ordner für die nächste Sitzung auf dem Arm und hörst zu.
Dein eigener Tag franst wieder aus, die Planung war auch vorher schon ambitioniert. Sowas passiert dir immer wieder und es ist schwer, deinem Führungsanspruch gerecht zu werden. Du wolltest Zeit haben, um dein Team gut aufzustellen und den Bereich strukturell neu auszurichten. Jetzt bist du zu oft „mal kurz weg“, nur zwischen Tür und Angel oder am Rand einer Sitzung erreichbar.
Was zählt denn alles als Überstunde?
Momente wie diese gibts im Alltag ganz oft, denn wer mit Menschen arbeitet, hat immer wieder ganz unerwartete Themen im Kalender stehen. Das verschiebt den Zeitplan und das Stichwort Zeitmanagement oder Abgrenzung allein treffen den Kern des Problems gar nicht.
Abends sitzt du noch da, denkst an den Tag und ergänzt immer wieder was auf der To-Do-Liste. Manches geht dir gar nicht aus dem Kopf und wenn es brennt, schaust du immer aufs Geschäftshandy. In letzter Zeit brennt es ganz schön oft.
Wir sehen hier Symptome einer Struktur, die immer mehr aussieht wie ein Schweizer Käse. Mittendrin stehen Führungskräfte, Sozialarbeiter, Lehrerinnen und viele mehr, die jeden Tag die Lücke mit sich selbst füllen, die übrig bleibt, wenn das Budget nicht mehr reicht. Überall, wo Stellen nicht nachbesetzt werden, die Vertretung gestrichen wird oder eine Fortbildung ausfällt.
Auf dem Papier sieht das nach einer schwierigen, aber tragbaren Entscheidung aus – die Frage ist nur: Für wen?
Die Sandwichposition
Um in der Manier des Schweizer Käses zu bleiben, lass uns über die Sandwichpositionen sprechen, die hier einspringen. Die Kindergartenleitungen, die im Flurgespräch zuhört, obwohl sie genau weiß, dass die Konzeption fertiggeschrieben werden müsste. Die Ehrenamtskoordinatorin, die nach Feierabend noch eine Nachricht beantwortet, weil sonst eine Gruppe Engagierter heute Abend ohne Antwort dasteht. Die Bereichsleitung, die die Fortbildung fest eingeplant hat und deswegen eine Nachtschicht schiebt, die sie nicht aufschreibt. Noch gibt es Leute in Organisation, die diese Lücke schließen, daran aber nicht selten ausbrennen. Sie sind meist in der mittleren Ebene angesiedelt, die nach oben vertreten und nach unten halten muss.
Im Alltag ists schmuckloser, denn Haltung wird hier schlichtweg zur Ausfallversicherung für eine unterfinanzierte Struktur. Wie man es kennt hat eine Ausfallversicherung keinen Feierabend, sondern steht immer dann ein, wenn eine offizielle Antwort fehlt.
Du kannst deinen Kalender optimieren, wie du willst, die unvorhersehbaren Themen sind trotzdem da. Auch das beste System ist auf eine realistische Einschätzung angewiesen, aber wenn deine Organisation rechnet, als gäbe es diese unvorhersehbaren Momente nicht, geht die Rechnung nicht auf.
Was du benennen kannst, kannst du verändern
Konsolidiere einmal in einer ganz normalen Alltagswoche: Was genau wurde hier gerade kompensiert und wo in der Organisation gehört das eigentlich hin bzw. was fehlt? So kommst du nach und nach auf die Lücken in der Verantwortung, in ausstehenden Strukturentscheidungen oder offenen Konflikten.
Wenn dein Feierabend oft flöten geht: Manchmal hilft es, das mit jemandem zu sortieren, die nicht drinsteckt. Im kostenlosen Check-up (30 Minuten) schauen wir uns gemeinsam an, welcher nächste Schritt jetzt dran ist. Ich freue mich, dich kennenzulernen!

