Von Scheinriesen und Zeitblöcken
Freitagnachmittag, kurz vor 17 Uhr.
Die Liste auf dem Tisch ist fast vollständig durchgestrichen. Die Anfrage von Dienstag ist beantwortet und das Protokoll versendet, sogar der Anruf, der dir seit drei Tagen im Magen liegt, ist erledigt und es bleibt noch Zeit den Schreibtisch aufzuräumen.
Doch dann spürst du dieses Gefühl im Nacken, so als würdest du dich kurz selbst beobachten. Was mache ich hier eigentlich? Du schaust auf deine fertige Liste, den sauberen Schreibtisch und die vielen kleinen Punkte diese Woche, die nötig waren, aber irgendwie auch nicht. Es ist nicht direkt Stress, eher eine diffuse Ohnmacht der vielen kleinen Alltagsaufgaben gegenüber (und zugegeben, manche davon sind sinnvoller als andere).
Das große Thema liegt immer noch unberührt da, so wie letzte Woche auch.
Mal ist es das neue Ehrenamtskonzept, mal eine aufgeschobene Fortbildung oder auch ganz grundsätzlich die Klärung der Zuständigkeiten unter den neuen, noch engeren Möglichkeiten – Was steht auf deiner Liste?
Wieder kein „Nachmittag der Wichtigkeiten”
Auf dieser Liste stehen Punkte, für die man sich eigentlich vornimmt, „mal einen Nachmittag Zeit zu haben”, und dieser Nachmittag kommt nicht.
Im Alltag melden sich die kleinen Themen immer mit großer Dringlichkeit. Sie klingeln, sie mailen, liegen im Postfach oder stehen in der Tür. Diese Themen rufen Ich bin so wichtig, jetzt”, „Das wäre schon längst fällig” oder „Ach, das mache ich noch kurz”. Daneben liegt dein großes Thema und schaut geduldig zu, denn eine Frist in diesem Sinne hat es oftmals gar nicht (was nicht heißt, dass es in dieser Zeit nicht manchmal so groß wird, dass du endgültig nicht mehr dran vorbeischauen kannst).
Genau hier schummelt sich ein Denkfehler ein: Wir denken, das große Thema sei ein großer Block für einen ganzen Nachmittag oder sogar eine ganze Woche aka „Wenn ich endlich Zeit habe, dann mache ich das.”
Aber der freie Nachmittag kommt nie. Er ist ein Mythos (und das weißt du auch).
Meine Erkenntnis war, hier radikal zu vereinfachen und die große, wichtige Aufgabe aus ihrem ominösen Auftreten zu befreien. Eine große Aufgabe oder ein Konzept entsteht nicht in einem großen Block, sondern wenn du Gedanken immer wieder mal in eine Gedankenschleife nimmst und Stück für Stück einer Idee und/oder Antwort näher kommst.
Von Scheinriesen und Zeitblöcken
Die Idee ist so einfach wie charmant: Statt einem riesigen Zeitblock wird das Anliegen in Zeitblöcke zerlegt. Ich vergebe Zeitfenster von 15, 30 und 60 Minuten. Dein Ziel ist dann, jeden Tag einen dieser Blöcke zu bearbeiten und deinen Fortschritt in dieser großen Sache wachsen zu sehen. Falls es mal nicht klappt, dann steig am nächsten Tag wieder ein. Der Rhythmus schafft den Fortschritt, nicht eiserne Disziplin. Falls du andersherum an einem Tag mehr schaffst oder manches doch in einen längeren Block packen möchtest: Go for it! Ich schaffe auch nicht alles perfekt in den Zeitblöcken, aber ich fange an, bleibe dran und halte die Anfangshürde so klein wie es eben geht.
Das große Thema braucht nicht deinen freien Tag, der erst zum Schaltjahr wieder da ist. Du schaffst mehr, wenn du es in einzelne Bestandteile zerlegst. Wenn die einzelnen Fragen und Aspekte wie Puzzleteile vor dir liegen, verliert das große Thema seine einschüchternde Wirkung. Erinnerst du dich an Herrn Tur-Tur aus Jim Knopf? Der Scheinriese freut sich riesig, als sich endlich jemand zu ihm traut und genau so ist es mit deinem Thema auch! Es liegt schon so lange groß und offen da und je näher du ihm kommst, desto freundlicher könnt ihr gemeinsam etwas entdecken.
Also schnür dir als erstes Pakete und Fragen: „Was ist die größte Hürde gerade?”, „Wer muss mit dabei sein, bevor wir starten?” „Welcher erste Schritt ist so klein, dass schon heute funktioniert?” Wenn du hier weiterkommst, dann macht das den Unterschied zwischen „abgehakt” und „weiterkommen” auf deiner Liste am Freitagnachmittag. Falls am nächsten Montag deine Liste schon wieder Liste voll ist, versuche es nicht mit mehr Zeit, sondern einem ersten, kleinen Zeitblock für dein Thema – am besten die Planung deiner ersten Zeitblöcke.
Welches Thema möchtest du ins Rollen bringen?
Wenn du dein Thema nicht allein zerlegen willst, lass uns den Scheinriesen gemeinsam kennenlernen. Im Grundrissgespräch (60 Min, 99 €) nehmen wir uns dein Thema vor, betrachten es von allen Seiten und zeichnen eine Skizze von deinem Gebilde und neuen Plänen. Schreib mir eine Nachricht und wir finden einen Termin.

