Ein Konzept im Sozial- und Bildungsbereich hat meist mindestens zwei Aufträge, die manchmal zum Spagat werden. Nach innen trägt es die Werte der Organisation, sowas wie Partizipation als Haltung und Arbeitsprinzip. Nach außen soll das Konzept erklären und absichern, damit Träger, Fördergeber oder Kooperationspartner*innen verstehen, wofür die Arbeit steht und warum sie wirkt. Soweit, so elegant kann man hindurchtanzen. Oft kommen noch zusätzliche Hindernisse hinzu: Enge Personalressourcen, Fluktuation, der Alltag mit all seinen Aufgaben oder eine knappe Frist. Manchmal geraten genau hier die eignen Werte unter Druck.
Zwischen Anspruch und Alltag
In kurzer Zeit ein Konzept entwickeln und dabei partizipativ vorgehen, klingt zunächst nach einem Widerspruch und einem Jonglageakt im Alltag sowieso. Die erste Frage ist also: Was ist uns Partizipation Wert (außerhalb von unserem Leitbild) und was bedeutet das in der Umsetzung? Binden wir das Leitungsteam ein, die Mitarbeitenden, die Zielgruppe? Und was sind dann die richtigen Formen, um alle zu erreichen und ehrliche Einblicke zu bekommen? Manchmal wirkt es so als bliebe unter Zeitdruck nur die Schreibtischvariante, in der eben eine Person schreibt und alle anderen halblebig drüberlesen.
Drehen wir die Rechnung mal um: Wir gehen davon aus, dass Partizipation nicht einfach ein Zustand ist oder ein Punkt auf der Checkliste. Partizipation ist vielmehr Arbeitsprinzip, Kernwert und Maßstab, an dem ein Konzept zumindest nach innen auch gemessen wird. Ein Konzept, das das transportieren soll und ganz ohne Beteiligung entsteht, läuft ins Leere. Genau dieses Muster schickt die besten Prozesse später in die Wüste.
Konzeptentwicklung mit Warteschleifen
In solchen Situationen gehe ich einen Schritt zurück und arbeite einen Projektplan aus, der Warteschleifen enthält (fehlt nur die Aufzugmusik). So ein Prozess passt in ein paar Wochen parallele Arbeit oder auch in intensive Workshopformate, wenn man ihn von Anfang an auf Überarbeitung anlegt. Es braucht jemanden, der oder die den Prozess im Blick hat und steuert, aber diese Person muss nicht alleine denken. Sie setzt Rahmen, Ziel und Methoden; und an den zentralen Stellen, wo Lebensweltexpertise und Perspektiven gebraucht werden, sind Team oder Zielgruppe drin. Sie bringen Ideen ein, geben Rückmeldungen zu Textpassagen und ergänzen oder streichen. Sie sind aktiver Part der Konzeptentwicklung und testen dieses schon jetzt auf Herz und Nieren. Zusätzlich werden Stakeholder eingebunden, also die Menschen und Stellen, die mit dem Ergebnis arbeiten oder von ihm betroffen sind. Ein Schlüssel liegt in der Kommunikation, die von Beginn an geklärt ist: Wer erfährt was, wann und über welchen Weg.
Der Kern des Ganzen ist der Rhythmus: Arbeits- und Korrekturschleifen laufen im Wechsel. Erst wird etwas erarbeitet, dann kommt es zurück an die Beteiligten, dann wird überarbeitet. Im Plenum wird so weder um perfekte Formulierungen gerungen noch vorm leeren Blatt meditiert. Hier wächst das Konzept in Schleifen und alle bekommen es mit. Partizipation zeigt sich hier als geteilte Verantwortung und Wissensaufbau, bevor die Fixierung kommt.
Ein bisschen zu schön für die Wahrheit
Natürlich hat das “fertige” Konzept hier Grenzen. Acht Wochen (oder weniger) sind genug für ein tragfähiges Konzept, aber vor allem dann, wenn es auf Überarbeitung angelegt ist. Enge Befragungen oder das Austesten einzelner Bausteine ist in solchen knappen Zeitfenstern nicht möglich, wohl aber der Rückgriff und die Verknüpfung bisheriger Erfahrungen. Ein solches Schleifen-Konzept versteht sich als kontinuierlicher Prozess und ist eingebettet in lernende Organisationen und Teams. Das passt zu der Erkenntnis, dass Veränderung in kleinen Schleifen arbeitet und eben meistens nicht über diesen einen einschneidenden Tag X.
Ein Konzept, das von vornherein Überarbeitungsrunden vorsieht, verlässt das Prinzip der perfekten Endfassung und wird zum lebenden Dokument.
Wenn der Zeitdruck dich überrennt, nimm dir eine Tasse Kaffee oder ein Glas Limo, atme tief durch und mach dir – am besten handschriftlich – einen ersten Entwurf für einen Prozess, der das Konzept trägt, aber eben auch die Leute, deren Arbeitswerkzeug es wird. Lass dein Konzept ein Beleg eurer Haltung sein.
Ein nächster Schritt
Wenn du vor einer ähnlichen Aufgabe stehst und Konzept unter Zeitdruck schreiben musst oder deine Ausarbeitung immer wieder im Alltag vergraben wird, machs dir leicht und hol andere ins Boot: Wo im Prozess haben die Menschen, die vom Konzept betroffen sind, einen festen Platz?
Wenn du diese Stellen benennst, hast du deinen Prozess schon halb entworfen – also Schleifen dran und fertig!
Wenn du gerade ein Konzept aufsetzen willst und eine zweite Perspektive brauchst: Ich begleite dich durch deine Prozessentwicklung und die wesentlichen und wirkungsvollsten Beteiligungsschleifen. Schreib mir einfach eine Nachricht.

