Bist du eine Lückenfüllerin?

Bist du eine Lückenfüllerin?

Sie schreibt wieder das Protokoll, weil sie die Stille nicht länger ausgehalten hat. Nach dem Meeting setzt sie sich also nochmal dran. Sie bereitet das Protokoll auf und kennzeichnet alle Aufgaben nach Priorität und Person, schickt es rum und wartet auf die großen Veränderungen zwischen den Sitzungen. Aber bei vielen Themen fängt es beim nächsten Treffen trotzdem von vorne an.

Oder: Sie etabliert das Teammittagessen. Bringt etwas mit, fragt im Voraus wer kommt, reserviert den Tisch oder räumt den Besprechungsraum frei. Solange sie das tut, findet es statt und die Stimmung ist locker. Auch den informellen Austausch schätzen alle. Als sie zwei Wochen krank ist, findet es nicht statt. Sie weiß noch nicht, ob sie es weiterführen möchte.

In vielen Organisationen und Teams wird unsichtbare Arbeit nicht bewusst verteilt. Sie ergibt sich eben so oder findet nicht statt. Ich finde, es gibt dann wenig Zwischentöne und ich arbeite mit vielen Menschen, die diese Töne auch vermissen. Das sind Lückenfüllerinnen (lies noch weiter, ich meine das im besten Sinne).


Wer will schon gern eine Lückenfüllerin sein?

Lückenfüllerin klingt nach Notlösung. Nach der Person, die man nicht fragen wollte, aber dann ging es nicht mehr anders, weil sonst niemand da ist. Es klingt nach liegengebliebenen Aufgaben, nicht nach Erfüllung.

Wenn dieses Wort fällt, gibt es oft diesen Moment der leisen Wiedererkennung. Innehalten, Ertapptsein, nachdenklich lächeln und dann ein paar übliche Sätze bevor man denkt: Stimmt eigentlich nicht, ich mache das doch gerne. Oder: Ich mache das, weil es sonst keiner macht.

Ich fülle keine Lücke. Ich sehe, was fehlt und fange an.

Sprich das mal laut aus. Eine Lückenfüllerin zu sein gibt dir viele Freiheitsgrade. Wer eine Lücke nur füllt, ist im Reaktionsmodus. Wer schon vorher einsteigt und Lücken sucht und anfängt, gestaltet und gibt den ersten Rahmen vor.


Dein Handlungspielraum

Das Protokoll, das (noch) niemand liest, hält trotzdem fest, was besprochen wurde. Es schafft eine Grundlage, auf die man sich beziehen kann, auch wenn es gerade niemand tut. Das Teammittagessen, das ohne sie nicht stattfindet, schafft eine neue Organisationskultur, die an einer Person hängt, weil die Person früher da war als die Struktur.

Lückenfüllerinnen sind oft nicht dort, wo etwas fehlt. Sie sind dort, wo noch niemand definiert hat, wie etwas sein soll.

Das ist die Schlüssel-Erkenntnis. Wenn du für die Sache un dein Thema brennst, ist genau hier dein Place-to-be.

Wer das Protokoll schreibt, bevor es einen Standard dafür gibt, bestimmt was ein gutes Protokoll ist. Wer das Mittagessen etabliert, bevor es eine Teambesprechung dafür gibt, bestimmt was Zusammenhalt in diesem Team bedeutet. Wer also anfängt, bevor jemand sagt wie, bestimmt das Tempo, die Qualität und den Startpunkt. Diese Lücken sind dein Gestaltungsraum.


Kleine Beweise für Veränderung

Gestaltungsräume klingen nach Möglichkeiten, während Lücken nach Mangel klingen. Viele greifen intuitiv zu einer Sprache des Mangels. Im Vordergrund steht was fehlt, was nicht funktioniert oder was aufgeholt werden muss. Diese Sprache formt die Wahrnehmung auf sich, das Team und die Organisation. Wer immer hört, sie wirds schon richten, beginnt sich selbst so zu sehen: als Reaktion, nicht als Initiative.

Dabei ist das Protokoll, das sie schreibt, oft das erste Mal, dass dieser Gedanke irgendwo steht. Das Mittagessen, das sie etabliert, ist oft der erste Beweis, dass es so etwas geben kann in diesem Team. Sie baut nicht nur kleine Notlösungen, sie liefert Beweise, dass es geht. Wenn du Veränderungen in Organisationen vorantreiben möchtest, dann sammle genau solche Beweise.


Liebste Lückenfüllerin,

Das hier ist eine Einladung, das was bereits passiert, neu zu rahmen.

Du springst nicht ein, weil sich niemand anders findet.

Du setzt einen Standard, bevor jemand anderes es tut.

Handlungsimpuls: Schreib auf, was du in den letzten vier Wochen angestoßen hast, ohne dass jemand darum gebeten hat. Aufschreiben hilft, es selbst zu sehen. Was steht da? Und was sagt dir das über deine Stärken?

Und wenn du weitergehen möchtest: Als Startpunkt in den Newsletter „Zwischen Alltag und Anspruch“ bekommst du ein Mini-Paper mit 3 Zeichen, dass du die Lückenfüllerin bist und 5 Hebeln, Bewegung in deine erste Veränderungsschleife zu bringen. Ich freue mich auf dich.